2017-06 Juni

Es gibt zwei neue Toiletten für Alle. Sie liegen dicht bei einander, eine auf dem Parkplatz am nördlichen Isareingang des Tierparks und die andere ungefähr 1,5 km entfernt auf der anderen Isarseite, etwas weiter südlich am Flaucher beim Campingplatz. Die neuen Toilettenanlagen sind vollautomatisch, selbstreinigend und werden fernüberwacht. Gebaut hat sie das Baureferat, betrieben werden sie die kommenden 15 Jahre von einem externen Betreiber, der je nachdem, wie oft die Toiletten genutzt werden, mit einem Reinigungstrupp anrückt. Durch diese beiden WCs eröffnen sich neue Freizeitmöglichkeiten, ein Besuch in Hellabrunn ohne Eile und Stress wird möglich, vielleicht sogar ein Campingplatzaufenthalt mit Wohnmobil und damit ein Besuch in München. Wir danken der Stiftung Leben pur für Ihr Engagement und freuen uns über die wachsende Zahl an Toiletten für Alle.
Liebe Mitglieder, liebe Freunde,
die Flut der Pressemeldungen reißt nicht ab! Alle paar Tage - manchmal sogar mehrmals am Tag – bekommt irgendeine Krankenkassen-Geschäftsstelle, eine Wohnsiedlung, eine Freizeitanlage oder Ähnliches von der Bayerischen Staatsregierung das Signet "Bayern barrierefrei" verliehen. Jedes Mal schlägt ein Staatssekretär mit viel Brimborium irgendwo auf, um einen Ort künftiger Rollstuhlgerechtigkeit – denn um mehr geht es der Politik beim Begriff 'Barrierefreiheit' meist leider nicht – quasi amtlich zu 'segnen'!
Aber was soll das eigentlich? Worum geht es hier?
Natürlich ist Barrierefreiheit wichtig – quasi eine der Grundvoraussetzungen für echte Inklusion – nur: häufig handelt es sich bei den ausgezeichneten Orten um öffentliche Gebäude, die laut Bayerischer Bauordnung ohnehin seit Jahren barrierefrei sein müssen.
Will die Regierung hier zeigen, dass sie sich an ihre eigenen Vorschriften und internationale Vereinbarungen wie die UN-Behindertenrechtskonvention hält? Das sollte ja wohl selbstverständlich sein!
Oder geht es darum, von anderen Politikfeldern abzulenken (wie zum Beispiel der Schulpolitik), in denen die Inklusion von Menschen mit Behinderung in Bayern nur im Schneckentempo oder gar nicht vorankommt?
Wahrscheinlich ist der Zweck der Initiative "Bayern barrierefrei" (die Jahreszahl, die ursprünglich mal dahinter stand, hat man inzwischen stillschweigend unter den nicht immer ganz so barrierefreien Tisch fallen lassen!) am Ende ein sehr viel schlichterer: Es geht um ganz simple Symbolpolitik nach dem Motto: 'Tue Gutes und rede darüber!'. Schließlich ist im kommenden Jahr mal wieder Landtagswahl in Bayern!
Leider werde ich als Journalist berufsbedingt immer misstrauisch, wenn man mir gesetzlich längst festgelegte Selbstverständlichkeiten als großzügige Wohltaten verkauft! Denn Eines steht ja wohl fest: Wirklich weitergekommen werden wir beim Thema Barrierefreiheit erst dann sein, wenn niemand mehr öffentlichkeitswirksam mit ein paar rollstuhlgerechten Gebäuden prahlen kann!
Einen Schwerpunkt dieser Ausgabe bildet der barrierefreie April in den Kammerspielen: Monika Burger berichtet von einer Aufführung mit zusätzlichen Rollstuhlplätzen, Christiane Maier-Stadtherr, Michaela Schlereth und Carola Walla waren in einer Aufführung mit deutschen Übertiteln und Melanie Egerer konnte eine solche mit Audiodeskription besuchen. Unser Praktikant Julian Schorr berichtet vom Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai und Wolfgang Vogl informiert über die Performance Fucking Disabled. Michaela Schlereth lädt natürlich auch im Juni zu einer Rollstuhlwanderung und beschreibt die Details unseres Busausflugs zur Landshuter Hochzeit im Juli und last, but not least stellt Hanne Kamali gleich drei bayerische Lokale vor.

Viel Spaß mit der Clubpost und bei den Aktivitäten des CBF wünscht Ihnen/Euch

Holger Kiesel

Liebe Wanderfreunde,

Im Juni muss das Wetter ja mal besser werden! Unser Ausflug in diesem Monat führt uns wieder einmal ins Voralpenland nach Bayrischzell.

Wir fahren mit der BOB bis Bayrischzell und wandern/rollen nach Geitau. Wege fast nur eben geteert und teilweise Schotter.

Es erwarten uns 7 km durch schöne Gebirgslandschaft. Einkehren werden wir in Geitau, Postgasthof Rote Wand.
Von Geitau geht es dann mit dem Zug wieder zurück nach München.

Samstag, 24.06.2017
Treffpunkt: München, Hauptbahnhof, BOB Schalter (bei Gleis 33/34) um 10:50 Uhr
Abfahrt: BOB um 11:05 Uhr, Ankunft in Bayrischzell 12:24 Uhr
Rückfahrt: 17:32 Uhr, Ankunft in München um 18:53 Uhr
Maximal 6 Rollstühle

Ich beantrage schon mal strahlenden Sonnenschein und freue mich auf Euch!
Anmeldungen bitte bis spätestens 19.06.2017

Michaela Schlereth

Endlich mal in der ersten Reihe sitzen, in der Mitte. Nicht wie sonst üblich als Rollstuhlfahrerin weit hinten neben dem äußersten Platz. Dieses Privileg versprachen die Kammerspiele in ihrer Aktion „Barrierefreier April“ ihren Besuchern im Rollstuhl.
Wir wählten die Aufführung „Der Kaufmann von Venedig“. Uns wurden tatsächlich Plätze in der vordersten Reihe zugewiesen, die Stühle waren dafür ausgebaut worden. Die Begleitpersonen saßen daneben in der zweiten Reihe.
Der kurze Weg vom Flur zum Platz ist jedoch sehr abschüssig, sodass uns unsere Begleiter sichern mussten. Die Fläche, auf der die Rollstuhlfahrer stehen, ist in der ersten Reihe ebenso leicht nach vorn geneigt wie auf den gewohnten Seitenplätzen. Nach einiger Zeit macht sich das schmerzhaft im Rücken bemerkbar.

Nachdem die Kammerspiele den barrierefreien April ausgerufen hatten und uns die Idee gefiel, gingen wir, drei Frauen vom CBF (Christiane Maier-Stadtherr, Michaela Schlereth und Carola Walla), ins Theater, um uns einen Eindruck zu verschaffen. Im folgenden geben wir einzeln unsere Eindrücke wieder.

Christiane Maier-Stadtherr:
"Der Kirschgarten" von Tschechow - das ist eins dieser Stücke, das Gehörlose und stark Schwerhörige normalerweise nicht besuchen.
Nun hatte ich die Chance, in den Kammerspielen im Rahmen des “Barriere Freier April – München Inklusiv!“ als Betroffene von der neuen Barrierefreiheit zu profitieren.
Man hat in diesem Stück Unter- bzw. Übertitel eingeblendet und ich war sehr gespannt darauf, denn ich hatte das schon einmal in  einem Stück, das in tschechischer Sprache im Marstall aufgeführt wurde (Anmerkung der Redaktion: Dabei handelte es sich um die Aufführung von „Der Müll, die Stadt und der Tod aus dem Jahr 2012) und fand es wunderbar, auf diese Art das ganze Stück zu verstehen - ohne Vorbereitung. Bei klassischen Stücken liest man vor dem Theaterbesuch das Stück so oft, bis man es auswendig kann, das ist bei dieser Technik nicht nötig.
Die technische Umsetzung der Übertitel war in den Kammerspielen leider nicht optimal, es ist ja auch ein altes Theater. Die Textanzeige war an der Lichtschiene über der Bühne befestigt, also gefühlt 10 Meter über dem Geschehen auf der Bühne. Vom Rand des Parketts aus konnte man die Anzeige nicht sehen, denn der Balkon verdeckte sie. Auf mittleren Plätzen war sie gut lesbar, groß und kontrastreich. Allerdings - durch die Höhe konnte man entweder die Bühne oder die Schrift sehen, nicht beides gleichzeitig. So entging mir doch einiges, aber immerhin - ich wusste immer, was gesprochen wurde.

Ich besuchte in den Münchner Kammerspielen das Stück „Point of no return“ am 09.04.2017. Das Stück war sehr interessant und auch die Audiodeskription war sehr hilfreich. Leider war sie nur sehr leise zu hören und wenn das Stück etwas lauter wurde - mit Musik etc. - war sie gar nicht mehr vernehmbar.
Die Ausgabe der Kopfhörer und die Einweisung in die Geräte verlief reibungslos.
Vielleicht könnte man in Zukunft noch einen Ansprechpartner nennen, den man aufsuchen kann, wenn es technische Probleme gibt. Ich habe auch bei den Kammerspielen gemeldet, dass die Beschreibung viel zu leise war.
Zusammenfassend aber super, dass es solche Angebote gibt und es ist immer eine großartige Leistung der Sprecherin und des Sprechers, die Beschreibung so passgenau in die Dialogpausen zu sprechen.

Melanie Egerer
Bericht über den europaweiten Protesttag vom 5. Mai 2017 für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

Am 5. Mai 2017 fand am Karlsplatz (Stachus), von 16:00 bis 19:00 Uhr unter dem Motto: „Mit und ohne Behinderung. Zusammen geht mehr!“ ein europaweiter Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung statt. Dieser Tag wurde als gemeinsame Veranstaltung des „Aktionsbündnisses 5. Mai“, in dem sich bayerische Behindertenselbsthilfeverbände, Selbsthilfeorganisationen und weitere Akteure der Behindertenhilfe aus München und Umland befinden, unter der Organisation und Koordinierung der LAG SELBSTHILFE Bayern e.V durchgeführt.
Ziel dieser Protestkundgebung war und ist es, die Stimmen der Menschen mit Behinderung lauter werden zu lassen, um auf unzureichende Teilhabe und Gleichstellung aufmerksam zu machen und die konsequentere und wirksame Umsetzung der Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention in allen Lebensbereichen einzufordern.
Die Bereiche Schule, Arbeit, Freizeit, Wohnen und Gesundheit wurden als fünf „Tatorte verhinderter Teilhabe“ dargestellt. Diese Tatorte wurden mit rotem Absperrband abgesperrt und am Boden wurden mit Kreide die Umrisse einer Leiche abgezeichnet. Die Tatwaffen und Forderungen zur Umsetzung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung wurden mit Nummern versehen, wie bei der Spurensicherung im Krimi, und zu guter Letzt kam noch ein ordentlicher Schuss Kunstblut mit dazu. Auf einem Schild beim Tatort wurden Forderungen an Politik und Gesellschaft dargestellt. Die Akteure der Behindertenhilfe usw. trugen weiße Anzüge, wie die Spurensicherung am Tatort. Sie waren Ansprechpartner für die Bevölkerung, damit Interessierte mehr über die Situation von Menschen mit Behinderung erfahren konnten.

Der CBF kann dieses Jahr dank einer großzügigen Spenderin wieder einen Busausflug anbieten. Dieses Mal geht es auf mehrfachen Wunsch hin zur Landshuter Hochzeit, die nur alle vier Jahre stattfindet. Dann schlüpfen über 2000 Mitwirkende, in originalgetreue, mittelalterliche Kostüme und lassen vor der Kulisse der alten Hauptstadt Bayerns die Hochzeit von einst lebendig werden. Die gotische Stadt mit Bürgerhäusern, Burg und Martinskirche bildet den Hintergrund.
Der CBF will dieses Jahr auch dabei sein und die Landshuter Hochzeit miterleben! Da wir den Bus frühzeitig buchen mussten, gab es bereits eine Ankündigung an die Mitglieder, die an unseren Rollstuhlwanderungen regelmäßig teilnehmen. Dies hat zur Folge, dass der Bus bereits ausgebucht ist. Aber gern nehmen wir Interessierte auf unsere Warteliste, falls jemand ausfällt.

Vor einiger Zeit habe ich auf der Kommentarseite der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einen Artikel gelesen, der als Aufhänger von einem dementen Mann in einer stationären Einrichtung erzählte, der durch sexuell ungewöhnliches Verhalten auffiel, da er beispielsweise bei weiblichen Pflegekräften „übergriffig“ wurde. Da der Mann über ausreichende finanzielle Mittel verfügte, entschloss sich das Pflegepersonal der Einrichtung, dem Mann bezahlten Sex zu ermöglichen. Von diesem Einzelfall kommt der Autor des Artikels zur allgemeinen Tendenz, dass Dritte – zum vermeintlichen Wohl der Betroffenen – alte, demente oder behinderte Menschen zu ihrem sexuellen Glück verhelfen möchten, indem sie Besuche im Bordell ermöglichen oder Prostituierte und Sexualassistenten in die jeweiligen Einrichtungen holen. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich diese Tendenz zumindest gegenüber Menschen mit Behinderung nicht bestätigen. Tatsächlich ist Sexualität in diesem Zusammenhang neben Partnerschaft, Kindern und Familie nach wie vor eines der größten Tabuthemen.

Schneider Bräuhaus
Baumkirchner Str. 5, 81673 München
Tel.: 089 431 63 81
www.schneider-brauhaus.de

Zum Bartewirt
Gruber Str. 1, 83626 Valley
Tel.: 08024 77 81 08024 77 81
www.bartewirt-kreuzstrasse.de

Kramerwirt
Hauptstr. 22, 83646 Arzbach
Tel.: 08042 972 79 90
www.kramerwirt-arzbach.de